Chroniken, insbesondere Orts- und Stadtchroniken, sind vielfach durch ihre mannigfaltigen Eigenschaften für den Interessenten zur Erschließung bestimmter historischer Zeiträume ein probates Mittel.

Häufig bereits durch den kohärenten Text, als auch ein auf spätere Lesbarkeit ausgelegtes Schriftbild, können diese eine angenehme Vervollständigung zu eher internen Quellen, etwa Protokollen, Relationen und deren Abschriften sein. Mancherorts stellen sie möglicherweise die einzige Quelle dar.

Natürlich gilt es auch bei der Benutzung von Chroniken bestimmte Hintergründe zu beachten:

An Orten mit einer länger bestehenden Schreibtradition können etwa die jeweiligen Chronisten häufig bis zum jeweiligen Textende ihres Vorgängers voneinander abgeschrieben haben. Ebenso sollte die Position des Schreibers, sofern man von diesem auch persönliche oder biographische Information hat, beim Lesen mitgedacht werden.

In den letzten Jahren haben Chroniken in der Oberlausitz auch in der Öffentlichkeit vermehrt Aufmerksamkeit gefunden. Ein Grund dafür, auch über das Fachpublikum hinaus, war der Umstand, dass der Archivverbund Bautzen unter Leitung von Grit Richter-Laugwitz die Techell’sche Chronik erwerben und restaurieren konnte.

Anlässlich dieser sehr erfreulichen Ereignisse wurden große Teile der 14-bändigen Chronik des Kupferschmiedes Karl Friedrich Techell am 26. November 2012 in den Räumen der Volksbank Bautzen ausgestellt und die Umstände des Erwerbes, der Restaurierung, Zugänglichmachung, als auch die Unterstützung seitens der Volksbank Bautzen der Öffentlichkeit erklärt. Daraufhin widmete sich auch die Herbsttagung der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften e. V. (OLGW) am 8. und 9. November 2013 in Bautzen dem Thema „Stadtchronistik in den Lausitzen in vergleichender Perspektive“.

Eigene Motivation und Beschäftigung mit der Chronik

Bereits während der Recherchearbeiten zur eigenen Magisterarbeit vor über drei Jahren begann der Verfasser des vorliegenden Artikels, vor allem vermittelt durch die umfassenden Aufsätze Hermann Knothes zur Oberlausitz im Dreißigjährigen Krieg, die Chronik des Laubaner Bürgermeisters Wiesner (1566-1627) zu lesen.1 Knothe selbst zitiert die Wiesner’sche Chronik vor allem im Zusammenhang mit den Streitigkeiten zwischen dem Laubaner Rat und den Nonnen des Magdalenerinnen-Klosters in Lauban. Längerfristig ging es um die Benutzung des Chorgestühls in der Kirche. Aber ebenso nutzte er diese Quelle zur vervollständigenden Darstellung der Geschehnisse im Markgraftum Oberlausitz während der ersten Hälfte des Dreißigjährigen Krieges. Insgesamt wurde und wird das chronistische Werk Wiesners auch wegen seiner Funktion als Quelle zur Landesgeschichte über die Stadtgeschichte hinaus bei zeitgenössischen Historikern rezipiert.2 Interessant sind hierbei jene Zeitabschnitte in denen Wiesner aus eigenem Erleben in seinen Funktionen als Ratsmitglied berichtet.

Im Grunde genommen gibt der zeittypisch elaborierte Titel seiner von ihm selbst als 'Annalen' benannten Chronik zusammenfassend die Art der Wiedergabe an:

„ANNALES LAUBAN: das ist Wahrhaffte und ordentliche Verzeichniß und Beschreibung der fürnehmsten und gedenckwürdigsten Jahr-Geschichte, welche sich bey der Königl. Stadt Lauban im Marggrafthumb Oberlausitz, von Erbauung derselben, biß auf diese gegenwärtige Zeit vor Jahren zu Jahren zugetragen soweit als Nachricht davon zu finden gewesen, mit Einverleibung etlicher Sachen so das gantze Marckgraffthumb oder Nachbarschafft concerniren, alles mit embsiger Mühe und sonderbaren Fleiß, aus allerhand glaubwürdigen Schrifften, bewehrten Urkunden und monumentis, teils auch aus eigener Erfahrung zusammen getragen uns beschrieben von M. Christophoro Wiesener, Consule und Pro Syndico daselbst.“

Bei der genutzten Handschrift handelt es sich um das Exemplar, welches in der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften (OLB) vorhanden ist. Dies entspricht in Tino Frödes Abhandlung zu den Chroniken der Sechsstädte der 10. Position in der Aufstellung für die Stadt Lauban – [Chronik Wiesner V].3

Nach dem neuesten Kenntnisstand gibt es insgesamt fünf Exemplare, wobei das Exemplar der OLB textlich manchmal von den älteren Fassungen in Dresden und Wrocław abweicht.4

Bei dem in der Oberlausitzischen Bibliothek vorhandenen Exemplar handelt es sich um vier Bände, welche zu je zwei Bänden in zwei Büchern gebunden wurden. Band 1 und Band 2 behandeln den Zeitraum von 900 nach Chr. bis 1559, Band 3 und Band 4 den Zeitraum von 1560 bis 1626. Insgesamt hat diese Handschrift einen Umfang von 2.303 Seiten.

Im Rahmen meiner eigenen Nachforschungen zu den Sechsstädten des Markgraftums Oberlausitz in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges habe ich die Wiesner’sche Chronik systematisch vom Jahr 1618 bis zum Schluss der Chronik 1626 durchgearbeitet. Dies entspricht den Seiten 1.980 bis 2.303 im vierten Band der Annales Lauban.5

Einordnung und Rezeption

In jüngster Zeit hat sich Dr. Jan Zdichynec von der Prager Karls-Universität im Rahmen seiner Beschäftigung mit der Laubanschen Stadtchronistik zur Person sowie zum chronistischen Vermächtnis Christoph Wiesners geäußert.6

Im Rahmen der bereits genannten Herbsttagung der OLGW in Bautzen haben Dr. Jan Zdichynec und Petr Hrachovec7 ihre Untersuchungen zur Stadtchronistik vor allem in Zittau und Lauban und ihre Ergebnisse zu dieser Quelle vor allem im Hinblick auf den Übergang des Markgraftums Oberlausitz an Kursachsen vorgestellt. In dem Vortrag wurde die wertungsfreie Reflexion vom Übergang des Markgraftums Oberlausitz an Kursachsen dargelegt als auch auf ungewöhnliche Vorkommnisse hingewiesen.

Zur Person Wiesners

Christoph Wiesner kam am 8. November 1566 in Lauban zur Welt. Dies hat er wie andere Geschehnisse aus seiner Familie auch in der Chronik vermerkt:

„In diesem Jahr am Freytag vor Martini den 8 Novemb. bin ich M. Christoph Wiesener nach Gottes gnädigen Willen, gesund und frisch von meiner lieben Mutter Frauen Ursula Schulzin, so meinem lieben Vater Christoph Wieseneren im Jahre 1558 Mitwoch nach Jubilate geheurathet, zur Welt gebohren worden“.8

Nach Abschluss seiner Studien erreichte Wiesner 1594 den Magistergrad in Wittenberg. Danach war er als Ratsmitglied im Laubaner Stadtrat vertreten. Im Jahre 1598 übernahm er erstmalig die Pflichten eines Syndikus. In der Chronik erläutert Wiesner vor der eigentlichen chronologischen Abhandlung zum entsprechenden Jahr immer erst, wann die „Ratschur“, also Ratswahl, stattgefunden hat und wer welches Amt bekleidete. Für das Jahr 1598 liest sich dies so: „In diesem Jahre am [Montag - Planetenzeichen] nach Egidii dem 7. Septemb. Ist der Rathstuhl alhier mit nachfolgenden Persohnen besezet worden: Joachim Seliger Bürgermeister, […] Walter Lange, Martin Wiedemann, Anderas Hausdorf und M. Christoph Wiesener, Schöppen, […] Zu diesenmahl ist kein Syndicus gewesen, sondern die Verrichtungen deßelben theils von meiner Person, theils vom Stadtschreiber geschehen. Nicolaus Rößler Notarius.“9

Die Ratswahl fand meistens zeitnah nach dem Aegidiustag am 1. September statt.

1602 bekleidete Christoph Wiesner das Richteramt und danach war er achtmal Bürgermeister, davon dreimal nach 1618 (1619, 1621, 1624). Dies ist ihm auch in der betreffenden Aufstellung zum Jahr 1624 einen kleinen Kommentar wert: „Zu diesem Jahre den 9. Septmb. […]: ist der Rath stuhl alhier mit nachfolgenden Personen besezet worden: M. Christoph Wiesener Bürgermeister (zum achten mahle.)“10

Seit 1598 wurde das Syndikat von Wiesner mit verwaltet, wie er in der Anfangsaufstellung zu einem jeden Jahr zeigt. Eine kurze Zeit lang, vom 13. Mai 1602 bis 1603 als Wiesner das Amt des Stadtrichters (Judex) innehatte, war ein Nicolaus Fritsch als Syndikus in Lauban beschäftigt. Dieser starb jedoch am 9. Juli 1603 in Bautzen. Danach übernahm wieder Wiesner das Amt des Syndikus, zunächst „…iedoch ohne Besoldung“.11 Ab 1605 bekam er immerhin eine Art Aufwandsentschädigung und ab 1612 wurden ihm die „Accidentia“ – sozusagen Nebenbezüge – aufgebessert.12 Nachdem er 1602 einmal Stadtrichter war, war er außer in den Jahren als Bürgermeister zumeist als Kämmerer im Rat vertreten.13

Als häufiges Delegationsmitglied, der als Zeitzeuge und Beteiligter bei vielen regulären, aber auch brisanten Zusammentreffen zugegen war, konnte er in seiner Überlieferung umfassend Auskunft geben. Christoph Wiesner starb am 7. April 1627, kaum ein halbes Jahr nachdem seine Chronik endete.

Zur Motivation seiner chronistischen Tätigkeit äußert sich Wiesner in der Einleitung seiner ’Annales‘. Auf einige Seiten verteilt und unter Rückgriff auf mehrere Philosophen und Gelehrte, wobei er ein für die Frühe Neuzeit beinahe bereits dialektisches Geschichtsbild zeigt, teilt er dem Leser mit: „[…], daß die Wissenschaft der Historien aus Kindern alte verständige Leute mache, wo aber die nicht seye, da werden aus Alten unverständige Kinder.“14

Zu den Merkwürdigkeiten in der Chronik und ähnlichen Nachrichten im Lausitzischen Magazin

Die Auswahl ist schlüssig. Neben auch heute noch relevant erscheinenden Dingen werden Wettervorkomnisse, Totschlagsfälle, uneheliche Schwangerschaften und Todesfälle erwähnt.

Auch in periodischen Publikationen des 18. Jahrhunderts, an dieser Stelle seien die Ausgaben15 des Lausitzischen Magazins der Jahrgänge 1768 bis1792 genannt, sind ebensolche Vorkommnisse verzeichnet. So finden sich neben den gelehrten Aufsätzen, Miszellen und Hinweisen zu Gelegenheitsschriften, Geschichtstexten und Erbaulichem je nach Bedarf und Nachrichtenlage: ‚Genealogische Nachrichten‘ von der hohen Gesellschaft, ‚Magistratswechsel und —verordnungen‘ in den Sechsstädten, ‚Familiennachrichten‘ der mittleren Gesellschaft und von Pastorenfamilien, Akademische ‚Vermeldungen‘ von Lausitzern, Sterbefälle nach Rang und Funktion,16 Beförderungen, das Almosenwesen, manchmal Meldungen zum Wetter, vermischte Nachrichten, amtliche Bekanntmachungen, Unglücksfälle17 und zum Schluss der Budissinische und/oder Görlitzer Getreidepreis. Häufiger wurde jedoch nur der Görlitzer genannt.

Am Ende des Jahrgangs 1768 gibt es eine ausführliche Witterungsgeschichte. In der Nummer vom 30. April 1772 wird unter dem Stichwort „Misswuchs“ auf die Verteuerung sämtlicher Getreidesorten am Markt eingegangen.18

Wie in später folgenden Ausgaben so erscheint auch in der Nummer vom 31. Dezember des Erstjahres 1768 der mittels Taufe vollzogene Religionsübertritt eines Juden in der Niederlausitz als Meldung von Nachrichtenwert, wobei - keineswegs unüblich - der Ablauf der Messe ausführlich dargelegt wird.19

In der gleichen Ausgabe fällt unter die Rubrik „Naturbegebenheiten“ die Sichtung eines Nordlichts bei „Muskau“ [Bad Muskau].20

Neben Meldungen von Bränden sind Unglücksfälle meist unglückliche Todesfälle, häufig durch Ertrinken, andere Unfälle und Suizide. Mordfälle und deren Nachspiel werden bei den vermischten Nachrichten meist eingehend abgehandelt. Im Jahrgang von 1791 des Lausitzischen Magazins werden die Unglücksfälle21 des gesamten Jahres zur bequemeren Lesbarkeit in einer Übersicht im vorletzten und letzten Heft wiedergegeben, welche hier stellvertretend für das Gesamtbild stehen soll.22

So werden für den Jahreszeitraum folgende Vorfälle aufgezählt: zehn Brandfälle (wobei einer im Zusammenhang mit dem überaus schweren Unwetter vom 2. August steht und am 7. August in Commerau eine Feuersbrunst mehrere Teile des Ortes verbrannte), sieben vermeldete Suizidfälle (fünf durch Erhängen; zwei durch Ertränken) und ebenso zehn Fälle von Ertrinken (es sei angemerkt, dass auch in Gewässern Gefundene hier als Ertrunkene geführt werden, wobei bei einem Fall ein suizidaler Hintergrund vermutet wird.), vier reine Leichenfunde außerhalb von Gewässern (davon einer durch Erfrieren); zehn Unfälle in der zusammengefassten Kategorie von Unglücksfällen, die durch Herunterfallen, Erschlagenwerden durch Gegenstände, Blitzschlag und Verschüttetwerden in Gruben verschiedener Art verursacht wurden; vier Fälle von „Schlagfluß“ oder plötzlichem ’Totliegenbleiben‘, zwei Fälle von Kindstötung (ein neugeborener Säugling wurde in Görlitz bei der Neiße gefunden), ein Überfall auf eine Mühle und drei Einbrüche/Diebstahlsfälle. Ein Sonderfall erzählt von einem Mann, der sich, um sich von seinem Flohbefall zu befreien, in einen heißen Backofen legte und an Verbrennungen starb. Eine positive Meldung berichtet über die Rettung eines fast ertrunkenen Mädchens.

An einigen Stellen ist eine klare Kategorisierung schwierig, da die Vorfälle sich in ihren Merkmalen überschneiden. Deswegen wäre mancher Leser bei der Zusammenfassung vielleicht zu einer anderen Zusammensetzung gelangt.

Generell kann festgestellt werden, dass hier aufgeführte Rubriken nicht gänzlich feststanden, sondern nach Bedarf eingerichtet wurden.

Neben den allgemein gesellschaftlichen und zeitgenössischen Erwähnungen entsprächen die ungewöhnlichen Vorfälle in Wiesners Stadtannalen etwa den „Vermischten Nachrichten“ und den „Unglücksfällen“ beziehungsweise den „Unglücklichen Vorfällen“.

Hinzu kommen bei Wiesner jedoch auch noch Ausführungen zum Wetter, welche einen direkten Bezug zur Stadt oder zu Orten in der Umgebung haben, zu Himmelserscheinungen und zu anderen seltsamen Vorkommnissen, wie beispielsweise der Geburt missgestalteter Tiere. Die Überlieferung derartiger Nachrichten – „Zeitungen“ – ist ein Merkmal, das Chroniken von reinen annalistischen Aufzeichnungen unterscheidet.23

Da Christoph Wiesner als langjähriges Ratsmitglied viele Angelegenheiten der Stadt Lauban berufsbedingt kannte und auch über diese bis zum Schluss der Chronik 1626 schrieb, ist diese Chronik eine gute Quelle, um sich über die Vorfälle und Zustände dieser Sechsstadt zu informieren. Ein Teil der geschichtlichen Zäsur, welche im Rückblick als Dreißigjähriger Krieg benannt wurde, lässt sich somit für diesen Ort und teils auch darüber hinaus vergleichsweise kohärent nachvollziehen.

Darüber hinaus gibt es auch noch andere Inhalte, welche diese Quelle interessant machen. Die im Folgenden genannten gelten für den untersuchten Abschnitt der Chronik von 1618 bis 1623. Es sind dies neben den typischen „Merckwürdigkeiten“, wie Himmels- und Wettererscheinungen in den umliegenden Dörfern, Straftaten, Unzufriedenheiten und Konflikten der Bürgerschaft, an denen die Chronik sehr reich ist, vor allem der systematische Aufbau und die Genauigkeit mit der Wiesner viele Dinge darlegt. Man merkt ihm an der Art seiner Ausführungen an, dass er in die Ereignisse von Anfang an umfassend Einblick hatte. Zur Darlegung rechtlicher Sachverhalte bedient er sich gern lateinischer Wendungen.

Der Stil des Textes ist prinzipiell nüchtern. An manchen Stellen, an welchen Wiesner Sachverhalte genau darzulegen sucht, wirkt dies heute manchmal weitschweifig. Allerdings werden die Einzelheiten auch genau, elaboriert, dargelegt.

Es gibt aber durchaus einen Bereich, in welchem dies methodisch scheint. Und zwar, wenn er auf bestimmte Eigenheiten der Getreide- und Bierpreise, meist im Zusammenhang mit den Relationen des Münzgeldes ab dem Böhmisch-Pfälzischen Krieg, eingeht. Hier gelingt es dem Autor, die Zusammenhänge so erschöpfend zu be- und umschreiben, dass die Zusammenhänge und Konsequenzen, beispielsweise des Münzverfalles oder die Krise des Jahres 1622/23,24 sehr augenfällig dokumentiert werden. Beinah, als wollte er die Zustände nicht nur vermerken, sondern für die Nachwelt zur besseren Nachvollziehung ausleuchten.

Neben dem Hauptanteil der allgemein als „politischen“25 zusammenzufassenden Nachrichten und wirtschaftlichen Geschehen im untersuchten Zeitraum lassen sich die „Merkwürdigkeiten“ bei Wiesner, sozusagen als Beifang im Netz, wie folgt grob kategorisieren.

1. Persönliches

Die hinterlassenen Nachrichten aus Wiesners persönlichem Umfeld gehören m. E. nicht zu den im Oberbegriff der Merkwürdigkeiten kategorisierten Meldungen. In Bezug auf die Person Christoph Wiesners haben sie dennoch Relevanz.

Im doppelten wie die Meldung vom 9. März 1622 verdeutlicht, dass der Rat beschlossen habe, seinen Bruder David Wiesner als neuen Prediger zu „vozieren“ – berufen.26 Aber auch eher persönliche Nachrichten wie jene, in denen er von der Geburt seiner Enkelin und seines Enkels einmal am 10. Mai 1618 und am 27. Februar 1622 berichtet zählen hierein.27 Auch lässt er den Leser erfahren, dass seine Enkelin mit fünf Jahren am 15. Februar 1623 starb, wobei er im Text selbst nicht auf Hintergründe eingeht.28

Diese Art Meldung legt Zeugnis über seine Familie ab und bildet somit einen Teil seines persönlichen Vermächtnisses/Erbes, welches er neben seinem übrigen Schaffen hinterließ.

2. Meldungen/Nachrichten über Adelige

Die Nachrichten über Adelige, die nicht aus dem professionellen Betätigungsfeld Wiesners stammen, haben allgemein eher Vermeldungscharakter. Sie sind von der Natur der Vorfälle derart, dass sie ebenso als Meldungen über Nichtadelige Eingang in die Chronik gefunden hätten. Ehestens werden dieser Art Nachrichten etwas detaillierter ausgeführt. So wird festgehalten, dass sich am 5. Oktober 1618 Balzer [Balthasar] von Warnsdorf in einer Herberge in Lauban „aus Schwermüthigkeit“ erschoss.29 Zwar ist der Stil dieser Meldung wie im restlichen Text sachlich, dennoch lässt uns Christoph Wiesner daran teilhaben, wie die Nachkommen des Verstorbenen versuchten, eine gewisse Diskretion über den Vorfall zu wahren, indem der Schwiegersohn die Bestattung auf seinem Grund „stillschweigend“ vornehmen ließ und die Kinder des Verstorbenen dem Scharfrichter „eine Verehrung gegeben, dass er Stille geschwiegen, und nichts dabey gethan hat.“

Bei einer anderen Meldung vom 11. November 1624, wonach ein Berndt (der Jüngere) von Jauernitz den Caspar Friedrich von Gersdorf wiederum bei Konrad von Nostitz erstochen hat, werden keine Hintergründe zur Motivation oder Ausgangssituation und Umständen ausgeführt.30

3. Verweise auf Honorationen anderer Städte und religiöser Einrichtungen im Zusammenhang mit Sterbefällen.

Wiesner hielt häufig auch Todesmeldungen von anderen Bürgermeistern und Pfarrern aus der näheren Umgebung, wie auch teils von Honorationen aus dem weiteren Umland fest. Auch Sterbefälle von Adeligen aus der Umgebung Laubans oder denen, die ein landständisches Amt bekleideten, werden vermeldet. Der Stil dieser Meldungen/Nachrichten ist gänzlich konstatierend. Zum Beispiel „Den 27 April [1623] ist Bernhardus Langius Med: Doctor regierender Bürgermeister und bestellter Physicus zu Lemberg [Löwenberg] mit tode abgegangen.“31 Oder aus dem gleichen Jahr: „Den 15. Sept. obiit H. M. Friedrich Pischer Oberster Prediger zu Budißin.“.32

4. Unglücksfälle und Verbrechen

Meldungen über Unglücksfälle oder Verbrechen sind im avisierten Zeitraum neben Wettervorgängen und Himmelserscheinungen häufig vertreten. Typischer Grund für einen tödlichen Unglücksfall war das Ertrinken, wobei davon auszugehen ist, dass Wiesner für derartige Nachrichten außerhalb Laubans und seines Umlandes nur das vermerken konnte, was zu seiner Kenntnis gelangte. So kann Wiesner uns vom 19. August 1621 wahrscheinlich nur deshalb aus Bautzen berichten, dass bei „wärenden Landtage ein Mann von einer Scheune zu tode gefallen, und todt in die Stadt bracht worden.“, weil er nach eigenem Festhalten zum Zeitpunkt in Bautzen anwesend war. Dementgegen werden Meldungen, wie die aus Geibsdorf/Siekierczyn vom 16. Mai 1624, dass der Sohn des Scholzen [Schulzen] vom Blitz erschlagen wurde oder jene vom 22. Dezember 1618 über das Ertrinken eines Knaben in Wünschendorf/ Radogoszcz, recht rasch zu Wiesner vorgedrungen sein.33

Nachrichten über Verbrechen tauchen im Zusammenhang mit der Bestrafung des Täters auf. Sie können aber wie im Beispiel vom 27. Mai 1623 auch nur als Nachricht selbst genannt sein. „Eod. Die [27.Mai] ist Adam Mühle ein Holzspalter alhier, von einem Bauer im Walde erschlagen worden.“34 Genauso werden aber auch nur die Bestrafungen, ohne Angabe der Tat oder weiteren Ausführungen angegeben. Beispiel: „Den 7. July ist Christoph Weighardt zu Marglißa auffs Radt geleget, und nachmals verbrandt worden. Desselben tages ist auch ein Weib daselbst geköpfffet.“35

In der zeitgenössischen Rechtsvorstellung gab es auch in den verschiedenen körperlichen Strafen Abstufungen nach der empfundenen Schwere der Tat. Dies konnte sich sogar über den eigentlichen Vollzug der Strafe hinaus auf die Art der Bestattung ausweiten. Davon zeugt ein Eintrag über eine Kindermörderin vom 11. Oktober 1623, welche zusammen mit einem Hahn, einem Hund und einer Katze „ersäuft“ und „im Sacke mit den Thieren begraben“ wurde.36 Die Hinrichtung beziehungsweise Bestattung mit bestimmten Haustieren, wie etwa das Erhängen zusammen mit Hunden, wurde bereits im Mittelalter als besonderer Ehrentzug vollzogen.

Auffällig ist, dass im Sommer des Krisenjahres 1623 gleich drei Suizidfälle aus Görlitz vermeldet werden. Auch hier kann wiederum die Frage gestellt werden, ob dies nur die bekannt gewordenen Fälle waren. Es beginnt mit der Nachricht vom 18. Mai 1623, nach der sich in Görlitz ein Schuster erhängt habe, dann die vom 25. Juli 1623 über eine Frau, die sich erhängte und schließlich jener Fall vom 10. August des gleichen Jahres über einen erhängten Tuchmacher .37

5. Wetter und Himmelserscheinungen

Nachrichten, die im Zusammenhang mit dem Wetter oder dessen Konsequenzen vergleichsweise zahlreich und regelmäßig vertreten sind, werden teils auch weitergehend ausgeführt. Sehr anschaulich werden beispielsweise die materiellen und persönlichen Schäden durch Blitzeinschläge des Unwetters [„ernstes Wetter“], vom 1. Juli 1621 um sechs Uhr abends in Lauban und in Schreibersdorf/Pisarzowice aufgezählt.

Himmelserscheinungen ganz allgemein werden ohne jede Wertung oder Deutung genannt, dennoch sind diese, möglicherweise wegen ihrer Ungewöhnlichkeit oder Eindrücklichkeit, einer Nachricht wert. So finden am Ende des Jahres 1618 gleich zwei dieser Himmelserscheinungen auf derselben Seite Platz, nämlich am 25. November eine Meldung über einen „Comet Stern“ mit gut zu erkennendem Schweif, und am 9. Dezember eine Nachricht über drei Regenbögen, die am morgen zu erkennen waren sowie einen dann zur Mittagszeit.38

Bei manchen Einträgen wünschte man sich als Leser zur Bestätigung eigener Vermutungen eine weitergehende Erläuterung. So datiert auf den 27. Juni 1621 ein kurzer Eintrag, „wonach des Morgens zwo bey Sonnen am Himmel gesehen worden“.39 Auch für den 29. Januar 1624 ist die Sichtung von „zwo hellen Beysonnen“, welche bis zehn Uhr vormittags zu sehen waren und dann abends wieder, vermerkt.40 Es könnte sich bei diesen Erscheinungen um einen optischen Effekt, der heute ‚Nebensonne(n)‘ genannt wird und auf Lichtbrechung beruht, handeln. Dabei entsteht der Eindruck, dass auf gleicher Höhe neben der Hauptsonne eine oder mehrere Sonnen seien.

An eine Meldung zwei Wochen darauf, wonach am 11. Juli Kurfürst Johann Georg I. am Kamenzer Landtag persönlich angekommen sei, schließt sich der Eintrag an: „Folgenden Abend ward daselbst ein weißes Creyz am Himmel fast eine Stunde gesehen.“41

Dass in ohnehin wirtschaftlich schwierigen Zeiten auch noch zusätzliche Belastungen durch Wetterschäden entstehen können, davon zeugt ein kurzer (Wetter-)Abriss bezüglich des Jahres 1625. Bereits Ende Januar, Anfang Februar steht demnach das Wasser wegen andauernden vielen Regens in Lauban sehr hoch. Für den 20. Februar wird von schwerem Wind mit einhergehenden Schäden berichtet.42 Am 14. April gibt es durch langanhaltenden Regen eine „Wasserflut“, die bis zum dritten Sonntag nach Ostern anhält. Vom 11. Mai werden wieder „ernste Wetter“ mit starken Schäden gemeldet, am 27. Mai darauf kommt es zu einem Kälteeinbruch in der Nacht.43 Und während es im Sommer 1625 in benachbarten Städten zu Pestausbrüchen kommt, hofft man in Lauban, diese abwenden zu können. Dies gelang nicht vollends, auch wenn die Welle 1626 wieder aufhörte.44 Dagegen liest sich die Meldung vom 9., 10. und 11. November 1625, wonach es an diesen drei Tagen durchgängig nebelig war, schon wesentlich unaufgeregt.45

Keine Wetter- oder Himmelserscheinungen, sondern ein weiteres Naturereignis bezeichnen die Nachrichten über Heuschrecken aus den Jahren 1623 und 1624. In der Meldung vom 14. Mai 1623 steht, es sei „eine ziemliche Menge Heuschrecken hierüber allhier gezogen, dass es etwas gerauschet.“ 46 Ein Jahr darauf zogen von Böhmen her nach einer Dürrephase im Mai ebenfalls Heuschrecken, jedoch von „ungewöhnlicher Art“, wiederholt durch das Laubaner Umland.47 Als Schädlinge waren Heuschreckenzüge selbstverständlich eine Bedrohung für die Feldfrüchte, von deren Ernte letztlich das Wohl aller abhing. Lebensmittelimporte waren keine umfassende Alternative.

6. Metaverweise

Bei der Wiedergabe eines bestimmten Zusammenhanges durchbricht Wiesner auch einmal das rein chronologische Vorgehen und gibt zur besseren Erläuterung eine Rückkommentierung bis zu seinem aktuellen Datum. So entspinnt sich im Laufe des Jahres 1622 ein Rechtsstreit zwischen Caspar von Nostiz, nachdem dieser sich ein seit 1484 seitens der Stadt anteilig für seine Familie abzugebendes Tuch einfordert, der Rat ihm lieber den Wert des Geldes geben wollte.48

Wiesner schildert im Folgenden wie nach dem Urteilsspruch der Leipziger Juristenfakultät, der für den Rat und die Stadt vorteilhaft war, Caspar von Nostiz noch einmal sich das Tuch einforderte. Im Anschluss an diese Schilderung vom Jahresanfang 1622 verweist er darauf, dass bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Niederschrift am 16. März 1624 in der Sache nichts passiert sei.49

Trotzdem war dieser Fall noch nicht gänzlich abgeschlossen.

7. Schwierig Einzuordnendes

Bestimmte „Merkwürdigkeiten“ lassen sich schwer in eine Unterkategorie einordnen, wohl aber am ehesten noch in die der Naturvorkommnisse. Geburten von Kindern mit annehmbaren körperlichen Schädigungen beziehungsweise Missbildungen zählen hierzu. So datiert eine Nachricht vom 4. Juli 1625 über die Geburt eines Kindes mit „wunderbaren Häuptlein“. Dieses soll noch „etliche Wochen“ weitergelebt haben.50 Aus demselben Jahr vermeldet die Chronik auch aus Wittgendorf bei Zittau zwei derartige Nachrichten. Bei der ersten vom 6. November geht es um die Geburt zweier aus heutiger Sicht miteinander verwachsener Kinder. Wiesner schreibt, dass das Mädchen „zwey Häupter neben einander gehabt, und drey Armen, deren einer auf dem Rücken gewesen, und die Hand auf das rechte Haupt geleget.“ Auch werden in diesem Fall noch Details ausgeführt, wie dass die Hand eines Kindes wie eine Vogelklaue aussah und zwei Herzen und Mägen sowie zwei Rückgrate und Lebern vorhanden waren.51 Da Wiesner schreibt „ Ist hernach abgerissen und publiciret worden“, kann vermutet werden, dass dieser Vorfall möglicherweise durch eine Art neuzeitliche „Zeitung“, in Form eines Flugblattes oder anders weiterverbreitet wurde.

Kaum einen Monat später wurde am selben Ort „ein Trappe“, ein Kranichvogel von der Größe „zweyer Gänse“ geschossen. Dies ist bemerkenswert, da diese Art „so in diesem Lande … eigentlich unbekannt“ sei.52

Beim Lesen beinah unglaublich mutet in ihrem nüchternen Stil eine Nachricht aus dem letzten Jahr der Chronik 1626 an, wonach im Monat Juni Wölfe Kuhhirten und Mägde „der Nachbarschafft“ angegriffen haben und „theiles, so man ihnen wieder abgejagt, beschädigt, theiles auch gar gefressen“. Wiesner betont im Weiteren, dass dieses Verhalten für die Wölfe eigentlich ungewöhnlich sei („vor diesen [für diese] ein unerhörtes Ding ist“ ), zumal diese im Sommer genügend Tiere, wie Schafe, im Freien vorfänden. Etwas ratlos schließt der Eintrag mit den Worten: „was es bedeuten werde gibt die Zeit.“53

Schlussbetrachtung

Die meisten Vorgänge gibt Wiesner ohne weitere Wertung, häufig auch ohne Kommentierung, wieder. Bei der Schilderung bestimmter längerfristiger Konflikte, etwa zwischen dem Stadtrat und dem Magdalenerinnen-Kloster oder den Adeligen in der Umgebung, ist seine Position durch seine Funktion und Stellung als Ratsmitglied/Bürgermeister ohnehin vorgegeben. Bei Beratungen oder Entscheidungen den eigenen Laubaner Rat betreffend, verweist er häufig auf die Protokolle respektive Konzepte, ebenso verweist er häufig auch bei den Meldungen über Zusammenkünfte der Sechsstädte auf die betreffende Relation.

Interessant ist seine Wertung des Geschehens des Zweiten Prager Fenstersturzes, denn nach seinem Dafürhalten war „hiermit der Anfang gemacht, zu der großen Umwelzung und Kriege so daraus erfolget.“ Er räumt ein, dass es wohl „Beschwerungen“ gegen die Böhmischen Statthalter gibt und „sonderlich, dass die Evangelischen sehr von ihnen gedruckt, und in Ihrer Religion gehindert worden,“. Dennoch hätte es seiner Meinung nach eines anderen Vorgehens bedurft. Natürlich kann hier die Frage gestellt werden, aus wie viel Abstand dieses Resumee geschrieben wurde, dennoch erscheint es keineswegs als Meinung, die erst ex post gebildet wurde. Schließlich haben wohl viele Ratsmitglieder der Sechsstädte diese Nachricht aus Prag mit Sorge zur Kenntnis genommen.54

Eher selten sind bei Wiesner eindeutige Kommentierungen, wie etwa jene zum 21. September 1618, zu finden. In der betreffenden Meldung geht es um eine Nonne im örtlichen Kloster, welche „die verbotene Kunst Kinder abzutreiben nicht recht gelernet, […]“ und deswegen das Kloster verlässt – „entwischet, und davon kommen [ist]“. In diesem Fall schließt sich noch eine allgemeine Wertung an:

„Wenn unser lieber Gott alle, so in Clöstern dergleichen Unzucht treiben, also straffete, würden ihrer viel und wohl die meisten entlauffen müßen.“55

An mancher Stelle erlauben eher untergeordnet scheinende Meldungen einen kurzen Blick auf die Art und Weise mit der gesellschaftlichen Problemen von Seiten der Stadt begegnet wurde. Um beispielsweise der „Bettelplage“ Herr zu werden, erging am 7. April 1625 der Beschluss spezielle „Zinneren Zeichen“ – eine Art von Lizenzplättchen – herauszugeben, was zu Wiesners Bedauern wegen der Inkonsequenz der Bürger nicht lang vorhielt.56 Diese Methode war auch andernorts verbreitet. In die gleiche Richtung stieß der Beschluss vom 20. Januar 1626, demnach die Tuchmacher ihre „Spinnerinnen“ nicht mehr oder ohne Vorwissen des Rats in die Stadt einlassen sollen. Auch wenn es nicht umgesetzt wurde, forderten die Stadtobersten von den Tuchmachern außerdem, Abgaben für die Spinnerinnen zu zahlen, weil diese, wenn sie nicht spönnen, betteln gingen und zudem „Hurenkinder“ mitbrächten.57

Insgesamt bekommt man den Eindruck, dass Wiesner trotz gegebener Sorgfalt, die letzten zwei Jahre seiner Chronik zum Schluss hin etwas raffend niederlegte.

Liest man die Chronik von Wiesner in der Zeit seiner eigenen Lebensjahre, insbesondere nach dem Beginn dessen, was die Nachwelt später als Dreißigjährigen Krieg benennen sollte, so ist das Bild, das man vom Autor bekommt, zunächst einmal seinem Profil entsprechend. Es sind die Aufzeichnungen eines evangelischen Bürgermeisters mit akademischer Bildung und einem typischen Werdegang, der sich sehr stark mit seiner Stadt identifizierte und sich bis zum Ende für diese engagierte. Diesen Umstand belegt beispielsweise der Eintrag in der zweiten Jahreshälfte des letzten Chronikjahres, wonach er seine juristischen Bücher zum größeren Wohl der öffentlichen Bibliothek hinterließ und die Erneuerung der Kirche „zu unserer lieben Frauen Mariae“ betrieb.58

1. Hermann Knothe: Der Antheil der Oberlausitz an den Anfängen des Dreißigjährigen Kriegs 1618 – 1623. In: Neues Lausitzisches Magazin (=NLM) 56 (1880), S. 1 – 95. und Ders.: Die Oberlausitz während der Jahre 1623 bis 1631 von der Pfandübergabe an Kursachsen bis zum Beginn des Krieges mit dem Kaiser. In: NLM 65 (1889), S. 191 – 261. Zitiert werden die Annalen Wießners im ersten der beiden genannten Aufsätze.
2. Jan Zdichynec: Lauban/ Lubań mit den Augen der humanistischen Geschichtsschreiber gesehen – Die Bildung der mittelalterlichen Geschichte der Stadt. In: Heinz-Dieter Heimann – Klaus Neitmann – Uwe Tresp (Hg.): Die Nieder- und Oberlausitz – Konturen einer Integrationslandschaft. Bd. I: Mittelalter. Berlin 2013. (= Studien zur brandenburgischen und vergleichenden Landesgeschichte Bd. 11) S. 359-389. Hier S. 363f.
3. Tino Fröde: Die handschriftlichen Stadtchroniken in den Sechsstädten eine Bestandsaufnahme. In: Lars-Arne Dannenberg – Mario Müller (Hg.): Studien zur neuzeitlichen Geschichtsschreibung in den böhmischen Kronländern Schlesien, Oberlausitz und Niederlausitz. Görlitz–Zittau 2013. (= Beihefte NLM Bd.11) S. 157-234. Hier: S. 212.
4 Zdichynec: Lauban/ Lubań (wie Anm. 2), S. 363.
5 Im fortlaufenden Text bezieht sich die Nennung der Wiesner‘schen Chronik von Verfasserseite auf dieses Görlitzer Exemplar. Annales Lauban OLB-Signatur: L III 126.
6 Zdichynec: Lauban/ Lubań (wie Anm. 2) und Ders.: Frühneuzeitliche Laubaner Geschichtsschreibung und das Land der Sechsstädte. In: Thomas Binder (Hg.): 666 Jahre Sechsstädtebund. Görlitz – Zittau 2012. (= Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv Kamenz Bd.1) S. 101-128.
7 Petr Hrachovec: Böhmische Themen in der Zittauer Stadtchronistik des frühen 17. Jahrhunderts. In: Lars-Arne Dannenberg – Mario Müller: Studien (wie Anm. 3), S. 251-318.
8 Annales (wie Anm. 5), Bd.3/4. S. 1213 f. Zitate aus der Chronik werden auch im Folgenden wortgleich wiedergegeben, jedoch ohne Wiedergabe handschriftentypischer Kennzeichnungen (bspw. ӱ für y ; ũ für u). Lateinische Worte/Titel und Namen, welche in der Handschrift von der üblichen Kanzleischrift hervorgehoben werden, werden nicht hervorgehoben. Bestimmte Kürzungsbögen werden, sofern nicht anders ausgewiesen, durch reguläre Abkürzungspunkte dargestellt – wie Novemb.
9 Annales (wie Anm. 5). S. 1660.
10 Ebd. S. 2222.
11 Ebd. S. 1718.
12 Ebd. S. 1871.
13 Vor 1618 war er 1604,1607,1610,1613 und 1616 Bürgermeister. Ebd. S. 1736; S.1607 als „Consul“; S. 1852; S. 1887 und S. 1949.
14 Annales (wie Anm. 5),. Einleitung
15 Zeitgenössisch als „Stück“ eines bestimmten Jahrganges ausgewiesen. Bsp.: Lausitzisches Magazin; Drey und zwanzigstes Stueck, vom 15ten Dc. 1791. Görlitz.
16 Diese werden hauptsächlich in Rubriken „von Geistlichen Personen“; „von Amtspersonen“ und „von klösterlichen Personen“ unterteilt. Eine Besonderheit stellen die Meldungen „von betagten Matronen“ oder die Meldung vom Tode Maria Antonias von Bayern der Kurfürstin und Herzogin zu Sachsen. (+ 23. April 1780) unter „Hohe Todesfälle“ in der 10. Ausgabe vom 31. Mai 1780 dar; Lausitzisches Magazin, Görlitz 1780. S. 151.
17 Siehe: Lausitzisches Magazin, Görlitz 1791. S. 377-381.
18 An dieser Stelle bietet sich ein interessanter Quervermerk an. Dass nämlich das Hungerjahr 1772 sich als besonders bedrückend auch noch in der kollektiven Erinnerung hielt, geht auch aus den autobiographischen Textteilen des Rohner Bauern Hanso Nepila hervor. Vgl. dazu. Peter Milan Jahn. Vom Roboter zum Schulpropheten. Hanso Nepila (1766-1856). Mikrohistorische Studien zu Leben und Werk eines wendischen Fronarbeiters und Schriftstellers aus Rohne in der Standesherrschaft Muskau. Mit einer Übersetzung der Handschriften. Schriften des Sorbischen Instituts. Bautzen 2010. S. 161ff.
19 Lausitzisches Magazin, Görlitz 1768. S. 377-379.
20 Lausitzisches Magazin, Görlitz 1768. S. 379.
21 In den früheren Ausgaben als „Unglückliche Vorfälle“ benannt.
22 „Sonst schalteten wir sie in jedem Monat ein. Hier haben wie Sie zur Uebersicht, zusammment gestellt; und dieß wird den Lesern, wie wir hoffen, bequemer Fallen.“ Lausitzisches Magazin, Görlitz 1791. S. 377 ff und S. 396 ff.
23 Lars-Arne Dannenberg – Mario Müller: Einführung. In: Dies. (Hg.): Studien (wie Anm. 3), S.13.
24 Diese stand im Zusammenhang mit den Tätigkeiten des Prager Münzkonsortiums. Die daraufhin im Dezember 1623 durch kaiserliche Erlasse angeordnete Abwertung des Umlaufgeldes um durchschnittlich 84 % wurde in Böhmen Calada [spa. Verwässerung] genannt. Siehe hierzu: Steffen Leins. Das Prager Münzkonsortium 1622/23. Ein Kapitalgeschäft im Dreißigjährigen Krieg am Rand der Katastrophe. Münster 2012. S.1 24-127.
25 D. h. sämtliche Belange, welche Wiesner in Bezug auf seine Tätigkeit, die Tätigkeit des Rats, der Stadt und ihrem Umland, die Sechsstädte insbesondere und die Landstände allgemein, sowie Kriegs-geschehen und Auswirkungen – eben die gesellschaftlichen; inbegriffen konfessionspolitischen und territorialen Meldungen, die von hoher Relevanz im momentanen Bezug sind, vermerkt. Demnach wären dies auch nach heutigem Nachrichten-Verständnis Meldungen von primären Nachrichtenwert aufgrund hoher Aktualität.
26 Annales (wie Anm. 5),. S. 2136. Der vorhergehende Pfarrer Martin Bohemus war zuvor am 5. Februar gestorben. Ebd. S. 2133f.
27 Ebd. S. 1987f. u. S. 2136.
28 Ebd. S. 2176. In einer anderen Handschrift, welche Auszüge aus mehreren Laubaner Chroniken beinhaltet, werden die Hintergründe weniger zurückhaltend ausgeführt. Demnach hatte sich Balthasar von Warnsdorff deswegen erschossen, weil sein Creditor, also Gläubiger [und wahrscheinlich Unterstützer] Joseph von Salza gestorben sei. Hierzu: Αποσπασματιου vel Fragmenta annalium annlium civitatis Laubanae collecta opera Joannis Gottlieb Mülleri. OLB LV 106. S. 91. (teilw. paginiert.) [αποσπασματικός = in Ausschnitten]
29 Annales (wie Anm.5) S. 2016f.
30 Ebd. S. 2264.
31 Ebd. S. 2181. Bzgl. Lemberg [zeitgenöss. Lewenberg, heute: Lwówek Śląski, dt. Löwenberg]. Bzgl. Bürgermeister Bernhard Lange siehe auch: Benjamin Sutorius: Die Geschichte von Loͤwenberg aus Urkunden und Handschriften – zweiter Theil. Jauer 1787. S. 180.
32 Annales (wie Anm. 5), S. 2204.
33 Dorfname vor 1945 „Geibsdorf“. Vgl. dazu: Hans Saalfeld: Die Geibsdorfer Pfarrer. In: Jahrbuch für Schlesische Kirchengeschichte. NF Bd. 49. Düsseldorf 1970. S. 7 – 13. Hier S. 8. und Annales (wie Anm. 5),. S. 1943. - über die Abberufung des alten Pfarrers Abraham Frisius und seines Nachfolgers Christoph Holstein. Wiesner schreibt konsequent „Geißdorf/Geissdorf“ Ebd. S. 2251. u. S. 2019.
34 Ebd. S. 2182.
35 Ebd. S. 2200.
36 Ebd. S. 2202. Diese spezielle Strafpraxis des Ertränkens mit Tieren wurde „Säcken“ genannt und scheint wohl regional verbreitet gewesen zu sein. Vgl. dazu: „Die Strafe des Säckens erreichte als besondere Form des Ertränkens in Sachsen zu Ende des 17. Jahrhunderts noch einen späten Höhepunkt, vor allem bei Kindsmord.“ Richard van Dülmen. Theater des Schreckens. Gerichtspraxis und Strafrituale in der frühen Neuzeit. 6. Aufl. München 2014. S.124 f.
37 Annales Lauban (wie Anm. 5) S. 2182; 20201f.
38 Ebd. S. 2019.
39 Ebd. S. 2085.
40 Ebd. S. 2233.
41 Ebd. S. 2089.
42 Ebd. S. 2275.
43 Ebd. S. 2280f.
44 Ebd. S. 2284f. Hierzu: Bereits Ende Juli 1623 hat es in der Umgebung eine gehäuftes auftreten von Pestfällen gegeben, schließlich wurde deswegen in Lauban eine Torwache angeordnet. Siehe hierzu: Ebd. S. 2201.
45 Ebd. S. 2290.
46 Ebd. S. 2182.
47 Wiesner meint diese Art sei derjenigen die 1542 gesehen wurde gleich, als fingerlange Schrecken mit 4 Flügeln und 6 Füßen auftraten. Hierzu: Ebd. S. 2251f.
48 Ebd. S. 2125.
49 Ebd. S. 2133.
50 Ebd. S. 2282. Bzgl. „wunderbar“ – Entgegen moderner umgangssprachlich Konnotation, bezeichnet diese Wort bei Wiesner (und Zeitgenossen) nur – Wundersames bzw. Verwunderliches und wird durchaus auch in negativem Kontext verwendet. So nutzt er dieses Wort auch in den einleitenden Ausführungen zu den wirtschaftliche sehr schwierigen Jahren 1622 und 1623 nach der üblichen Ratsaufstellungen. Allgemein ist die Sprache, welche wir bei Wiesner finden, schon recht nah am modernen Deutsch (nach zeitlicher Einordnung ist sie als Frühneuhochdeutsch anzusehen, ab ca. 1650 kommt das inzwischen davon herausgebildete Neuhochdeutsche zur Anwendung.) jedoch eben noch unterschiedlich zum heutigen normierten Sprachzustand.
51 Ebd. S. 2289.
52 Ebd. S. 2290. Beide Vorfälle, sowohl der der miteinander verwachsenen Kinder vom 6. November als auch über die geschossenen Trappen, werden in der Zittauer Chronik Johann Andreas Kießlings ebenso aufgeführt. Siehe hierzu: Johann Andreas Kießling. ANNALES ZITTAUIensis Oder Jahrbuch der Stadt Zittaw. CWB Altbestand. Mscr. A 90. S. 901. – Zwischen S. 900 und S. 901 ist auch eine bildliche Darstellung der miteinander verwachsenen Kinder eingebunden.
53 Annales Lauban (wie Anm. 5) S. 2297f.
54 Hermann Knothe: Der Antheil (wie Anm. 1), S. 5; Annales Lauban (wie Anm. 5), S. 1990f.
55 Annales Lauban (wie Anm. 5), S. 2014f.
56 Ebd. S. 2278f.
57 Ebd. S. 2292f. Fraglich ist ob mit „Hurenkindern“ vielleicht nur illegitime Kinder gemeint sind.
58 Ebd. S. 2298.

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